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vom 15.03.2026 PDF
#2637
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Es bedarf einer neuen Finanzierungskonstruktion, an der die Kassen betei ligt werden (Teilmonistik), das Land aber seine Verantwortung für die Planung behält.
#2638Hierfür werden wir uns auf Bundesebene einsetzen.
#2639Außerdem muss die getrennte Zuständigkeit für die Planung der stationären und der ambulanten Versorgung endlich überwunden werden und den Ländern, Regionen und Kommunen müssen mehr Kompetenzen zugestanden werden, bei der Ausgestaltung der Versorgung vor Ort mitzureden.
#2640Zugleich muss die Bildung regionaler Budgets aus den Mitteln der verschiedenen Sozialgesetzbücher durch den Bund ermöglicht werden.
#2641Mit innovativen Versorgungsmodellen wollen wir diesen Prozess vorantreiben.
#2642Dazu gehört es, die Ärzt*innennetze und die berufsgruppenübergreifenden Gesundheitszentren – zum Beispiel als Genossenschaften von örtlichen Leistungserbringern – weiter zu unterstüt zen.
#2643Dabei knüpfen wir auch an die guten Erfahrungen aus der berufsgruppenübergreifen den Zusammenarbeit zum Beispiel in den Sozialpädiatrischen Zentren an und forcieren den Ausbau der Medizinischen Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger und mehrfacher Behinderung.
#2644Wir sind überzeugt, dass es zukünftig insbesondere auf dem Land und in struktur schwachen Regionen vielfältigere Konzepte als nur die klassische „Ein-Arzt-Praxis“ als ambulante, ärztliche Versorgung braucht.
#2645Wir werden gegenüber der ärztlichen Selbst- verwaltung weiter dafür werben, dass Praxisvertretungen, mobile Praxen, geteilte Zulassungen und die Beschäftigung angestellter ärztlicher Mitarbeiter*innen leichter möglich werden.
#2646Nur so sind Teilzeitarbeit und flexiblere Arbeits oder Auszeiten im dicht frequentierten Versorgungswesen der niedergelassenen Arztpraxen überhaupt möglich.
#2647An der Schnittstelle zur stationären Versorgung wollen wir neue Modelle auch jen seits von Belegbetten erproben, in denen Ärzt*innen ihre Arbeit teils im Krankenhaus, teils jenseits des Krankenhausversorgungsbereichs in peripheren Praxen leisten.
#2648Ohne geschlechtergerechte Versorgung kein zukunftsfähiges Gesundheitssystem Frauen und Männer sowie Mädchen und Jungen sind durch ihre physischen, psychi schen und sozialen Bedingungen und durch unterschiedliche Lebensformen anders gesund und krank.
#2649Ob mit oder ohne Migrationsgeschichte – nur wenn diese unter schiedlichen Lebensbedingungen in die gesamte gesundheitliche Versorgungskette, das heißt in Gesundheitsförderung, Prävention, Diagnostik, Therapie, Pflege und Reha bilitation und Forschung einbezogen werden, kann ein zukunftsfähiges Gesundheits system gelingen.
#2650Die kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterunterschieden hinsichtlich Ge sundheit, Krankheit und gesundheitlicher Versorgung verzeichnet zwar Fortschritte, mündet aber noch immer viel zu wenig in der Praxis.
#2651Dies führt nach wie vor zu Unter-, Über und Fehlversorgung beider Geschlechter – mit individuellen Folgeschäden und vermeidbaren Gesundheitskosten.
#2652Daher werden wir unsere bisherige erfolgreiche Genderpolitik im Gesundheitswesen fortsetzen und ausbauen.
#2653Im Bereich der Mädchen und Frauengesundheit wird Grüne Gesundheitspolitik auch zukünftig verstärkt Rollenzuweisungen und Belastungsfaktoren weiblicher Lebenswel ten in den Blick nehmen.
#2654Dazu zählen unbezahlte Care-Arbeit, Alleinerziehung, die Ver einbarung von Beruf und Familie, Migration und Flucht, aber auch die Diskussion über Körperbilder und Schönheitsideale und nicht zuletzt die gravierenden gesundheitlichen Folgen häuslicher und sexueller Gewalt.
#2655Wir setzen uns für eine gesunde Lebenswelt von Mädchen ein, die frei ist von un realistischen, belastenden, fototechnisch manipulierten Schönheitsidealen und Schön heitsoperationen.
#2656Unsere Angebote bei psychischen Erkrankungen, Essstörungen und Suchterkrankungen für Mädchen und Frauen werden wir intensivieren.
#2657Wir werden nicht nachlassen, das Gesundheitswesen für die gesundheitlichen Folgen von häusli cher und sexueller Gewalt zu sensibilisieren.
#2658Wir machen uns stark für einen Rückgang von Kaiserschnittgeburten und eine bedarfsgerechte gesundheitliche Versorgung von Mädchen und Frauen mit Behinderungen.
#2659Wir nehmen die gesundheitlichen Belange von geflüchteten Frauen ebenso in den Blick wie die krankmachenden Belastungen der Angehörigenpflege.
#2660Eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik muss aber auch die spezifischen Zu gänge von Jungen und Männern zu ihrem Körper, ihrer Psyche und ihrer Gesundheit thematisieren, denn Männer sind statistisch zwar seltener, dafür aber länger krank.
#2661Tra dierte Männlichkeitsbilder können zu einem höheren Gesundheitsrisiko führen.
#2662Was wir brauchen, ist ein differenziertes Verständnis von Männergesundheit, das krankmachen de Verhältnisse in den Blick nimmt.
#2663Wir wollen deshalb auf Jungen und Männer zugeschnittene lebensweltorientierte Präventionskonzepte auf den Weg bringen, damit sie gesundheitsfördernde Angebote überhaupt erst wahrnehmen.
#2664Wir brauchen – auch und gerade für Jungen und Männer – Angebote zur Stressreduzierung und zum achtsamen Umgang mit sich selbst, zum Bei spiel nach schweren Erkrankungen und in der Rehabilitation.
#2665Wir wollen die Zusam menhänge einer weit höheren Suizidrate als bei Frauen sowie die Besonderheiten von Depressionen bei Männern erforschen.
#2666Auch wollen wir mehr darüber wissen, warum Männer auch heute noch eine deutlich geringere Lebenserwartung haben.
#2667Und wir brauchen jungen und männerorientierte Angebote für ein risikominimierendes Verhal ten, zum Beispiel bei Suchtgefährdung.
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