Vergleich von Wahlprogrammen und Grundsatzprogrammen

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vom 15.03.2026 PDF
#2650
Die kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterunterschieden hinsichtlich Ge sundheit, Krankheit und gesundheitlicher Versorgung verzeichnet zwar Fortschritte, mündet aber noch immer viel zu wenig in der Praxis.
#2651
Dies führt nach wie vor zu Unter-, Über und Fehlversorgung beider Geschlechter – mit individuellen Folgeschäden und vermeidbaren Gesundheitskosten.
#2652
Daher werden wir unsere bisherige erfolgreiche Genderpolitik im Gesundheitswesen fortsetzen und ausbauen.
#2653
Im Bereich der Mädchen und Frauengesundheit wird Grüne Gesundheitspolitik auch zukünftig verstärkt Rollenzuweisungen und Belastungsfaktoren weiblicher Lebenswel ten in den Blick nehmen.
#2654
Dazu zählen unbezahlte Care-Arbeit, Alleinerziehung, die Ver einbarung von Beruf und Familie, Migration und Flucht, aber auch die Diskussion über Körperbilder und Schönheitsideale und nicht zuletzt die gravierenden gesundheitlichen Folgen häuslicher und sexueller Gewalt.
#2655
Wir setzen uns für eine gesunde Lebenswelt von Mädchen ein, die frei ist von un realistischen, belastenden, fototechnisch manipulierten Schönheitsidealen und Schön heitsoperationen.
#2656
Unsere Angebote bei psychischen Erkrankungen, Essstörungen und Suchterkrankungen für Mädchen und Frauen werden wir intensivieren.
#2657
Wir werden nicht nachlassen, das Gesundheitswesen für die gesundheitlichen Folgen von häusli cher und sexueller Gewalt zu sensibilisieren.
#2658
Wir machen uns stark für einen Rückgang von Kaiserschnittgeburten und eine bedarfsgerechte gesundheitliche Versorgung von Mädchen und Frauen mit Behinderungen.
#2659
Wir nehmen die gesundheitlichen Belange von geflüchteten Frauen ebenso in den Blick wie die krankmachenden Belastungen der Angehörigenpflege.
#2660
Eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik muss aber auch die spezifischen Zu gänge von Jungen und Männern zu ihrem Körper, ihrer Psyche und ihrer Gesundheit thematisieren, denn Männer sind statistisch zwar seltener, dafür aber länger krank.
#2661
Tra dierte Männlichkeitsbilder können zu einem höheren Gesundheitsrisiko führen.
#2662
Was wir brauchen, ist ein differenziertes Verständnis von Männergesundheit, das krankmachen de Verhältnisse in den Blick nimmt.
#2663
Wir wollen deshalb auf Jungen und Männer zugeschnittene lebensweltorientierte Präventionskonzepte auf den Weg bringen, damit sie gesundheitsfördernde Angebote überhaupt erst wahrnehmen.
#2664
Wir brauchen – auch und gerade für Jungen und Männer – Angebote zur Stressreduzierung und zum achtsamen Umgang mit sich selbst, zum Bei spiel nach schweren Erkrankungen und in der Rehabilitation.
#2665
Wir wollen die Zusam menhänge einer weit höheren Suizidrate als bei Frauen sowie die Besonderheiten von Depressionen bei Männern erforschen.
#2666
Auch wollen wir mehr darüber wissen, warum Männer auch heute noch eine deutlich geringere Lebenserwartung haben.
#2667
Und wir brauchen jungen und männerorientierte Angebote für ein risikominimierendes Verhal ten, zum Beispiel bei Suchtgefährdung.
#2668
Wir werden deshalb spezifische Angebote der Prävention (zum Beispiel am Arbeitsplatz und in Zusammenarbeit mit Jobcentern), der Behandlung (zum Beispiel zur Therapietreue) und der Rehabilitation (zum Beispiel für nachsorgende Begleitung) auf den Weg bringen.
#2669
Hebammen stärken – für Eltern und Kinder Ein Beispiel für die Fehlentwicklungen der letzten Jahre ist die Geburtshilfe.
#2670
Hier hat es der Bund versäumt, eine tragfähige, demografiefeste Versorgung sicherzustellen und den Eltern die Wahlfreiheit zu sichern, wo und wie ihr Kind zur Welt kommen soll.
#2671
Regio nal unterschiedliche Geburtenraten, hohe Haftpflichtkosten und die schlechte finanziel le Absicherung von Hebammen führen dazu, dass immer mehr werdende Eltern große Schwierigkeiten haben, die notwendige Unterstützung rund um die Geburt zu finden.
#2672
Wir wollen, dass Frauen die Wahl haben, wie und wo sie entbinden, und dass diejenigen, die ihnen dabei zur Seite stehen, nicht aus wirtschaftlichen Gründen ihren Beruf aufgeben.
#2673
Wir wollen Anreize schaffen, um Modelle einer eigenverantwortlichen, von Hebammen geleiteten Geburtshilfe in enger räumlicher Nähe und Zusammenarbeit mit der statio nären Geburtshilfe, der Schwangerschaftsbegleitung und der Nachsorge sowie der ver besserten Notfallhilfe zu unterstützen.
#2674
Diese sollen besonders im ländlichen Raum zum Tragen kommen.
#2675
Patientenberatung und Selbsthilfe stärken Für viele Menschen ist es wichtig zu wissen, dass sie mit ihrer Erkrankung nicht allein sind.
#2676
Gerade bei seltenen Erkrankungen sind das Netz der Selbsthilfe und die Kompetenzen der Betroffenen als Expert*innen in eigener Sache oft mindestens ge nauso wichtig wie das medizinische Versorgungssystem.
#2677
Diese Strukturen werden zwar über die Krankenkassenbeiträge mit finanziert, wir wollen aber die Brücke ins Gesund heitswesen, in die Regelversorgung schaffen.
#2678
Nur wenn Selbsthilfekompetenzen in die Versorgung integriert werden, kann das Bestmögliche im Sinne der Patient*innen er reicht werden.
#2679
Neben der Selbsthilfe braucht es aber auch eine unabhängige Patientenberatung, um über Rechte und Möglichkeiten informiert zu werden und sich gegen Fehlentscheidun gen wehren zu können.
#2680
Leider sind die hervorragenden Strukturen in NRW durch den Patientenbeauftragten des Bundes zerschlagen und durch eine Hotline-Beratung ersetzt worden.


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