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vom 15.03.2026 PDF
#2660
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Eine geschlechtergerechte Gesundheitspolitik muss aber auch die spezifischen Zu gänge von Jungen und Männern zu ihrem Körper, ihrer Psyche und ihrer Gesundheit thematisieren, denn Männer sind statistisch zwar seltener, dafür aber länger krank.
#2661Tra dierte Männlichkeitsbilder können zu einem höheren Gesundheitsrisiko führen.
#2662Was wir brauchen, ist ein differenziertes Verständnis von Männergesundheit, das krankmachen de Verhältnisse in den Blick nimmt.
#2663Wir wollen deshalb auf Jungen und Männer zugeschnittene lebensweltorientierte Präventionskonzepte auf den Weg bringen, damit sie gesundheitsfördernde Angebote überhaupt erst wahrnehmen.
#2664Wir brauchen – auch und gerade für Jungen und Männer – Angebote zur Stressreduzierung und zum achtsamen Umgang mit sich selbst, zum Bei spiel nach schweren Erkrankungen und in der Rehabilitation.
#2665Wir wollen die Zusam menhänge einer weit höheren Suizidrate als bei Frauen sowie die Besonderheiten von Depressionen bei Männern erforschen.
#2666Auch wollen wir mehr darüber wissen, warum Männer auch heute noch eine deutlich geringere Lebenserwartung haben.
#2667Und wir brauchen jungen und männerorientierte Angebote für ein risikominimierendes Verhal ten, zum Beispiel bei Suchtgefährdung.
#2668Wir werden deshalb spezifische Angebote der Prävention (zum Beispiel am Arbeitsplatz und in Zusammenarbeit mit Jobcentern), der Behandlung (zum Beispiel zur Therapietreue) und der Rehabilitation (zum Beispiel für nachsorgende Begleitung) auf den Weg bringen.
#2669Hebammen stärken – für Eltern und Kinder Ein Beispiel für die Fehlentwicklungen der letzten Jahre ist die Geburtshilfe.
#2670Hier hat es der Bund versäumt, eine tragfähige, demografiefeste Versorgung sicherzustellen und den Eltern die Wahlfreiheit zu sichern, wo und wie ihr Kind zur Welt kommen soll.
#2671Regio nal unterschiedliche Geburtenraten, hohe Haftpflichtkosten und die schlechte finanziel le Absicherung von Hebammen führen dazu, dass immer mehr werdende Eltern große Schwierigkeiten haben, die notwendige Unterstützung rund um die Geburt zu finden.
#2672Wir wollen, dass Frauen die Wahl haben, wie und wo sie entbinden, und dass diejenigen, die ihnen dabei zur Seite stehen, nicht aus wirtschaftlichen Gründen ihren Beruf aufgeben.
#2673Wir wollen Anreize schaffen, um Modelle einer eigenverantwortlichen, von Hebammen geleiteten Geburtshilfe in enger räumlicher Nähe und Zusammenarbeit mit der statio nären Geburtshilfe, der Schwangerschaftsbegleitung und der Nachsorge sowie der ver besserten Notfallhilfe zu unterstützen.
#2674Diese sollen besonders im ländlichen Raum zum Tragen kommen.
#2675Patientenberatung und Selbsthilfe stärken Für viele Menschen ist es wichtig zu wissen, dass sie mit ihrer Erkrankung nicht allein sind.
#2676Gerade bei seltenen Erkrankungen sind das Netz der Selbsthilfe und die Kompetenzen der Betroffenen als Expert*innen in eigener Sache oft mindestens ge nauso wichtig wie das medizinische Versorgungssystem.
#2677Diese Strukturen werden zwar über die Krankenkassenbeiträge mit finanziert, wir wollen aber die Brücke ins Gesund heitswesen, in die Regelversorgung schaffen.
#2678Nur wenn Selbsthilfekompetenzen in die Versorgung integriert werden, kann das Bestmögliche im Sinne der Patient*innen er reicht werden.
#2679Neben der Selbsthilfe braucht es aber auch eine unabhängige Patientenberatung, um über Rechte und Möglichkeiten informiert zu werden und sich gegen Fehlentscheidun gen wehren zu können.
#2680Leider sind die hervorragenden Strukturen in NRW durch den Patientenbeauftragten des Bundes zerschlagen und durch eine Hotline-Beratung ersetzt worden.
#2681Masse statt Klasse“ im Gesundheitswesen hilft aber gerade Menschen mit gravierenden Problemen nicht weiter.
#2682Wir werden uns weiterhin im Bund für qualitative und tatsächlich unabhän gige Patientenberatung einsetzen.
#2683Sexuelle Gesundheit fördern Auch nach vielen Jahren erfolgreicher Informations und Antidiskriminierungsarbeit für Menschen mit HIV und Aids keimen in Teilen der Gesellschaft immer wieder Ängste und Vorurteile gegenüber Hauptbetroffenengruppen auf.
#2684Gleichzeitig erleben wir mehr Men schen, die die Risiken einer Infektion falsch einschätzen.
#2685Deshalb ist es notwendig, das hervorragende Netz der Aids-Hilfen zu erhalten und weiterzuentwickeln, insbesondere mit Blick auf andere sexuell übertragbare Krankheiten (STIs) und die größer gewordene Bandbreite gelebter sexueller Identität.
#2686Neue, schwer zu erreichende Zielgruppen wie Menschen mit Migrationsgeschichte und Flüchtlinge, die bei uns eine Lebensperspek tive suchen, gilt es in den Blick zu nehmen.
#2687Dabei fördern und unterstützen wir lo kale Kooperationen zwischen Beratungsstellen, Gesundheitsämtern, niedergelassenen Ärzt*innen und der Gesundheitsforschung, um integrierte Angebot zur Förderung der sexuellen Gesundheit zu schaffen und auszubauen.
#2688Wir orientieren uns an den Zielen der WHO, die „sexuelle Gesundheit“ umfassender betrachtet und nicht nur als Abwesen heit von STIs definiert.
#2689Für einen funktionsfähigen Öffentlichen Gesundheitsdienst vor Ort Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist den Menschen mit seinen Angeboten in den Gesundheitsämtern am nächsten, kennt die Strukturen, Stärken und Defizite vor Ort und ist die Ebene, die die Strukturen der unterschiedlichen Bereiche miteinander vernetzen kann.
#2690Wir wollen den Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken und zukunftsfest ausgestal- ten.
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